Vom ABC des Fühlens

Viele Gefühle folgen einem Gedanken. So kurz, flüchtig oder unbemerkt dieser auch sein mag, so ist er doch der Auslöser, der dann das Gefühl hervorruft. Dies bedeutet, dass ein Ereignis an sich keinen emotionalen Inhalt hat. Erst die Art und Weise, wie wir ein Ereignis deuten, verursacht Gefühle. Dieser Ablauf wird oft als „ABC-Modell der Emotionen“ bezeichnet:
A = Ereignis, Geschehen
B = Gedanke, Bewertung
C = Gefühl, Emotion
Wenn wir den Gedanken verändern, verändert sich auch das Gefühl.
 
Bei schmerzhaften Gefühlen kann eine negative Feedbackschleife entstehen, in der ein unangenehmes Gefühl selbst wiederum zum„Ereignis“ wird und damit zum Auslöser weiterer Gedanken. Diese Gedanken erzeugen ihrerseits neue schmerzhafte Gefühle, die dann zu einem noch größeren Ereignis werden, das weitere negative Gedanken und Gefühle nach sich zieht und so weiter.
 
Im Positiven funktioniert das genauso. Auch Glücksgefühle können eine Feedbackschleife erzeugen. Die Glücksgefühle werden zum „Ereignis“, das seinerseits weitere positive Gedanken erzeugt und zu noch stärkeren Glücksgefühlen führt, die wiederum als „Ereignis“ wahrgenommen und gewertet werden usw.
 
Es liegt an uns, unseren Gedanken häufig eine Wendung ins Optimistische und Zuversichtliche zu geben um negative Feedbackschleifen abzubrechen und positive zu erzeugen… 🙂

Öfters mal im Flow sein

ganz dabei„Der Mensch ist am zufriedensten, wenn er aktiv mit einer Aufgabe beschäftigt ist, die seine geistigen und körperlichen Kräfte voll in Anspruch nimmt. Dann befindet er sich im ‚Flow‘, einem außergewöhnlichen Bewusstseinszustand, in dem er seine gesamte Energie auf ein einziges Ziel konzentriert.“ (Mihalyi Czikszentmihalyi, Universitiy of Chicago)

Manche erleben Flow beim Tanzen, andere beim Lösen eines komplizierten Problems, manche beim Schreiben eines Gedichtes, andere bei der Gartenarbeit: ganz eins zu sein mit dem, was man tut, gibt ein tiefes Gefühl von Befriedigung und im-Einklang-mit-dem-Leben-sein. Das sollte man sich doch öfter mal gönnen, oder? 🙂

Gute Laune vertreibt den Schmerz

sigi_lachendDass gute Laune nicht nur ansteckend ist, sondern auch noch den Körper stärkt, zeigten die Studien von Prof. Willibald Ruch. Der Züricher Wissenschaftler ließ Forschungsteilnehmer*innen 15 Minuten lang Sketche anschauen.

Während eine Videokamera ihre Reaktionen filmte, mussten die Probanden ihre Hände in eiskaltes Wasser tauchen und den Kälteschmerz bewerten.
Verblüffendes Resultat, so Gute-Laune-Forscher Ruch: „Menschen, die beherzt lachten, empfanden weit weniger Schmerz.“
Hm. Bloß blöd, dass sich das beim Zahnarzt so schlecht anwenden lässt 😉

Die Big Five Persönlichkeitsmerkmale

Die „Big Five“ gelten heute international als das universelle Standardmodell in der Persönlichkeitspsychologie. Dem Modell zufolge gibt es fünf hauptsächliche Dimensionen der Persönlichkeit, und ihre Ausprägung lässt sich bei jedem Menschen jeweils auf einer Skala von 1 bis 10 einordnen (1= kaum vorhanden, 10 = sehr stark ausgeprägt):

Neurotizismus (Neigung zu emotionaler Labilität, Ängstlichkeit, Reizbarkeit und Traurigkeit)
Offenheit (Neigung zu Aufgeschlossenheit, Wissbegierde, Interesse an neuen Erfahrungen)
Verträglichkeit (Neigung zu Geselligkeit, Rücksichtnahme, Kooperationsbereitschaft, Empathie, Bescheidenheit, Altruismus)
Extraversion (Neigung zur Geselligkeit, Herzlichkeit und zum Optimismus),
Gewissenhaftigkeit (Neigung zur Disziplin, Zuverlässigkeit, zu Pflichtbewusstsein, Kompetenz, hoher Leistungsbereitschaft)

Unsere vorherrschende Gemütslage wird von der individuellen Ausprägung der „Big Five“ entscheidend mitbestimmt… 🙂

big five

Status und Stimmung

Ein sozialer Aufstieg aktiviert das menschliche Belohnungszentrum und wird ähnlich verarbeitet wie der Gewinn von Geld. Dies haben Caroline Zink und ihr Team vom National Institute of Mental Health in Bethesda herausgefunden. Ein Abstieg hingegen zeigt sich als umso schmerzhafter, je weiter „oben“ die Person zuvor gestanden hatte. Schon die Aussicht auf einen Abstieg aktiviert Schaltkreise im Hirn, die mit emotionalem Schmerz in Verbindung gebracht werden.
Aus anderen Studien und Versuchen weiß man bereits, dass sich ein niedriger sozialer Status negativ auf die Gesundheit auswirken kann. Auf der anderen Seite müssen Menschen in guten Positionen oft den Verlust ihres hohen Platzes in der Hierarchie fürchten. Das könnte, wie in den Versuchen gezeigt, neuronale Netze im Hirn aktivieren, die emotionalen Stress auslösen, und dadurch zu einem erhöhten Risiko für stressbedingte Gesundheitsprobleme führen.
Wer eine Arbeit hat, die Ansehen genießt, keinen Jobverlust fürchten muss und anstrebt, seinen sozialen Status Zug um Zug weiter zu verbessern, scheint diesen Erkenntnissen zufolge viele der „Glückshormone“ zu produzieren, die gute Laune befördern.
Meine persönliche Vermutung ist jedoch, dass derjenige, der einfach glücklich ist in dem, was er tut und einen tieferen Sinn in seinem Wirken sieht – ohne dass er einen Aufstieg im Sinn haben muss –, vielleicht ein noch höheres Niveau an Lebensfreude genießt. 🙂